Was sagen Lehrende zu Service Learning?


Prof. Dr. Karsten Müller

Projektgruppe Wirtschaftspsychologie
Service Learning-Veranstaltung „Consumer Welfare“
(FSS 2009; HWS 2009/10; FSS 2010; HWS 2010/11)

„Ein häufig erwähntes Problem in Mannheim war in der Vergangenheit die Überschuldung von Jugendlichen, so dass bei uns die Idee reifte, im Rahmen von Service Learning-Seminaren ein Schulden-Präventionskonzept für Jugendliche zu entwickeln. Dieses besteht nun aus vier Modulen, mit Hilfe derer die Jugendlichen über vier Konsumbereiche aufgeklärt werden. Das Präventionskonzept wurde in Zusammenarbeit mit der Caritas in Mannheim entwickelt und bisher an sechs Mannheimer Schulen angewandt. Inzwischen ist das Ganze in zwei Forschungsprojekte gemündet: 1. Durch eine Kooperation mit dem Städtischen Leihamt wurden Mittel zur Verfügung gestellt, um die Materialien für den Unterricht zu professionalisieren. 2. Durch eine Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg wird die Begleitforschung des Präventionsprogramms unterstützt, so dass wir auch auf der wissenschaftlichen Seite Unterstützung bei der Professionalisierung des Präventionskonzepts erhalten.
Ein Vorteil des Service Learning ist der umfassende Praxisbezug, durch den auch die Studierenden begeistert werden konnten. Außerdem bemerkenswert waren der freiwillige Zulauf und die Bereitschaft der Studierenden, Nutzen für die Gesellschaft zu stiften. Das freiwillige Engagement der Studierenden war enorm und getrieben durch die Grundidee, vor Ort bzw. in der Praxis etwas zu tun und etwas zu bewegen.
Ich biete Service Learning-Veranstaltungen aus voller Überzeugung an und halte dies für ein sehr gelungenes Konzept, das ich auf jeden Fall weiterführen möchte und das auch bei den Studierenden sehr gut ankommt.“

Tammo Straatmann

Projektgruppe Wirtschaftspsychologie
Service Learning-Veranstaltung „Consumer Welfare“
(FSS 2009; HWS 2009/10; FSS 2010; HWS 2010/11)

„In der Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Mannheim bestand eine lange Tradition, den Praxisbezug möglichst schon ins Studium einfließen zu lassen. Ich selbst habe als Student erlebt, wie es ist rauszugehen und das Erlernte in der Praxis anzuwenden. Service Learning hörte sich für uns sehr gut an, weil zum einen der Praxisbezug und zum anderen die Idee enthalten sind, der Gesellschaft sowohl als Studierender als auch als Lehrender etwas zurückzugeben.
Als wir Service Learning zum ersten Mal angeboten haben wurde uns relativ schnell klar, dass das eine andere Art der Veranstaltung ist. Die Seminarinhalte und Praxisteile haben bei den Studierenden großes Engagement geweckt, was sich v.a. vor Ort in den Schulen gezeigt hat als die Studierenden mit den Lebensgeschichten der Schülerinnen und Schüler zur Überschuldung kon-frontiert wurden. Die realen Probleme vor Ort haben vielen die Augen geöffnet und es entstand der Wunsch, in diesem Bereich etwas zu bewegen.
Ich würde Service Learning zu 100% weiterempfehlen – gerade angewandten Fächern, in denen es für Studierende umso wichtiger ist, das theoretisch erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden. Service Learning ist eine Bereicherung im Leben der Lehrenden und der Studierenden. Man arbeitet in den Service Learning-Seminaren in vielen Fällen auf Augenhöhe mit den Studierenden zusammen an einem Projekt. Dabei nimmt man als Lehrender eher die Rolle eines Coaches oder Mentors ein. Von daher empfehle ich allen Kolleginnen und Kollegen, Service Learning-Seminare anzubieten. Man kann im regionalen Kontext etwas bewegen und der Universität stehen viele Türen offen, über Service Learning-Projekte das Wissen in die Praxis zu transferieren. So kann ein Mehrwert sowohl für die Studierenden und die Universität als auch für die Gesellschaft geschaffen werden.“

Prof. Dr. Bernd Helmig

Lehrstuhl für ABWL, Public & Nonprofit Management
Service Learning-Veranstaltung „Nonprofit Management I“
(jeweils im HWS)

„Service Learning spielt für uns eine sehr wichtige Rolle in der Lehre, weil wir bestrebt sind, die Stu-dierenden nicht nur auf fachlich sehr hohem Niveau auszubilden, sondern sie zugleich zu sozial verantwortlichen Führungskräften heranzuziehen.
Die Reaktionen auf Service Learning sind bisher sehr positiv: a) Von Seiten der Studierenden, weil sie die hohe Interaktivität und den Praxisbezug sehr schätzen und das theoretisch erworbene Wis-sen in der Praxis, d. h. im Nonprofit-Bereich, anwenden können. b) Von Seiten der Community-Partner, weil bei ihnen konkrete Problemstellungen gelöst werden und sie Zugang zu Nachwuchs-Führungskräften bekommen. c) Von Seiten des Lehrstuhls bzw. der Lehrstuhl-Mitarbeiter, weil wir uns nicht nur aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft heraus, sondern gemeinsam mit den Community-Partnern mit den Problemen der Nonprofit-Praxis beschäftigen.
Aufgrund dieser positiven Erfahrungen werden wir weiterhin regelmäßig Service Learning-Veranstaltungen anbieten. Ich kann das auch nur jedem Lehrenden weiterempfehlen, da es für alle drei beteiligten Personengruppen (die Community-Partner, die Studierenden und den Lehrstuhl bzw. die Lehrstuhl-Mitarbeiter) mit einem großen Gewinn verbunden ist.“

Dr. Carolina Küpper-Tetzel

Lehrstuhl Psychologie III
Service Learning-Veranstaltungen „Gestaltung von effizienten Lernstrategien und Lernzeitplänen“ (HWS 2009/10) und „Experimentalpsychologisches Praktikum – Lernstrategien im Schulkontext“ (FSS 2010)

„Das Gesamtkonzept ‚Service Learning‘ hat sofort Interesse bei mir geweckt. Nachdem ich mich intensiver mit den Service Learning-Prinzipien auseinander gesetzt hatte, war ich von diesem Lehrkonzept, das die Erarbeitung von neuem Wissen und wissenschaftlichen Theorien mit der konkreten Implementierung dieser Theorien und wissenschaftlichen Erkenntnisse im Anwendungsfeld kombiniert, überzeugt.
Daran finde ich spannend, dass Studierenden die Möglichkeit gegeben wird, das erlernte Wissen direkt in die Praxis umzusetzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies bei Studierenden zum einen das Interesse am Thema steigert und sie zum anderen befähigt, wissenschaftliche Erkenntnisse kritischer zu hinterfragen, wodurch das Lernen gefördert wird. Generell begrüßen Studierende Service Learning-Veranstaltungen – auch wenn diese in vielen Fällen weitaus aufwendiger sind als klassische Seminare –, weil es eine willkommene Abwechslung zu anderen Veranstaltungen darstellt, in denen der Praxisbezug häufig zu kurz kommt.
Aber auch die Kooperationspartner im Anwendungsfeld profitieren von Service Learning, da sie den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung direkt erfahren und nützliche Erkenntnisse für ihr Feld gewinnen können. Ich habe zum Beispiel Service Learning-Projekte in Schulen durchgeführt und mit meinen Studierenden Lerntechniken und Lernzeitpläne auf Basis kognitionspsychologischer Forschung entwickelt und diese dann im Klassenraum implementiert. Ich habe von Lehrern und Schuldirektoren generell sehr positives Feedback erhalten. In persönlichen Gesprächen haben sie mir mitgeteilt, dass sie froh über die Unterstützung waren, weil sie selbst nicht die zeitlichen Ressourcen und das Know-how haben, solche Projekte durchzuführen.
Es ist jedoch so – und auch das hat meine Erfahrung mit Service Learning gezeigt –, dass die Zufriedenheit der Kooperationspartner mit dem Service Learning-Projekt stark davon abhängt, ob im jeweiligen Anwendungsfeld tatsächlich Bedarf für ein solches Projekt besteht. Das heißt, ob die Verantwortlichen in einem Anwendungsfeld ein Problem feststellen, das mithilfe eines Service Learning-Projekts angegangen oder behoben werden kann. Wenn dies nicht der Fall ist oder sich die Verantwortlichen auf Seiten des Kooperationspartners und die Verantwortlichen auf Seiten der Universität bzgl. Ihrer Erwartungen an das Projekt nicht einig sind, dann kann Service Learning zu großen Frustrationen führen – und zwar auf Seiten der Studierenden, der Kooperationspartner und des Dozenten.
Generell bin ich sehr überzeugt vom Konzept ‚Service Learning‘ und ich würde auch in Zukunft wie-der Service Learning-Veranstaltungen anbieten. Dafür gibt es für mich zwei wichtige Gründe: Erstens arbeite ich sehr gerne mit Studierenden zusammen an einem Projekt, und zweitens bin ich der Meinung, dass wir als Universität und Forschungsinstitution die Pflicht haben, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Service Learning schafft genau diese Brücke, da es wissenschaftliche Erkenntnisse ganz konkret und direkt der Gesellschaft zur Verfügung stellt.“

Markus Tausendpfund

Lehrstuhl für Politische Wissenschaft und International Vergleichende Sozialforschung
Service Learning-Veranstaltung „Politische Partizipation“
(HWS 2010/11)

„Service Learning stellt für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation dar: Für die Studierenden, weil sie den Seminarraum verlassen und ihre theoretischen Kenntnisse in praktische Erfahrungen umwandeln können. Für sie ist es wichtig, an einem realen Problem zu arbeiten. Dies kann die Motivation und das Engagement der Studierenden verstärken. Außerdem haben sie die Möglichkeit, Schlüsselqualifikationen wie z. B. Kommunikations-, Kooperations- oder Konfliktfähigkeiten zu erwerben. Für den Kooperationspartner hat Service Learning insofern positive Auswirkungen, weil er durch das Engagement der Studierenden fachliche Expertise bekommt. Diese bietet ihm neue Lösungskonzepte für die Probleme in der jeweiligen Institution.
Nicht außer Acht gelassen werden darf jedoch, dass Service Learning eine Veranstaltungsform dar-stellt, die mehr Engagement voraussetzt bzw. abverlangt: Von den Studierenden, weil sie ihre ge-wohnte Umgebung verlassen und in ein unbekanntes Umfeld mit fremden Personen und neuen Erwartungen, die an sie gerichtet werden, eintauchen müssen. Für den Kooperationspartner, weil er mit völlig neuen Ideen konfrontiert wird, für die er offen sein muss. Und letztendlich für die Seminarleitung, weil das Seminar anders geplant werden muss als beispielsweise eine „klassische“ Übung. Beim Service Learning sind immer wieder Abweichungen möglich, auf die man als Dozent sehr flexibel reagieren muss.
Dennoch wurden die Service-Projekte in unserem Fall sowohl von den Studierenden als auch vom Kooperationspartner und von mir als sehr bereichernd erlebt. Service Learning bietet zwar keine Erfolgsgarantie für Problemlösungen, kann aber dazu beitragen, neue Impulse bzw. neue Ideen zu erhalten, um bestehende Probleme besser lösen zu können.“